Energieautarke Häuser: Nur ein Fall für Einsiedler und Ökos?

Strom aus Sonnenenergie, Regenwasser wird zu Trinkwasser: autarke Systeme sind definitiv nachhaltig. Doch wie sind sie in der Praxis umsetzbar?  

Text von Tamara Effler, Content & Brand-Management

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Energieautarkie: nicht nur für Einsiedler.

Hartnäckig hält sich das Bild des „autark“ lebenden Einsiedlers fernab der Zivilisation in einer Holzhütte mitten im Wald. So die gängige Meinung. Doch dies ist definitiv ein Vorurteil. Autarkie bedeutet vielmehr bewusst mit den Ressourcen umzugehen und unabhängiger leben zu wollen. Das Konzept des mobilen „Tiny House“ beweist, auch mit autarken Systemen lässt es sich komfortabel wohnen. Das Coole daran, diese nachhaltigen Versorgungsideen verstecken sich in jedem Haus.

Wasser, Heizung, Strom – Autarkie leichtgemacht?

Autark leben bedeutet nicht gleich die Strom-, Wasser- und Heizungsleitungen zu kappen. Oft ist es eine Kostenfrage, wie schnell sich ein systemunabhängigeres Wohnen realisieren lässt. Eine völlige Unabhängigkeit ist außerdem teilweise aus baurechtlichen Gründen nicht möglich. Denn ein Anschluss an das öffentliche Wasser- und Kanalnetz ist für Hausbesitzer unausweichlich. Nichtsdestotrotz lässt es sich an ein paar Schrauben drehen, um ressourcenschonender leben zu können.

  • Wassernutzung

 

140 Liter Wasser verbraucht ein österreichischer Haushalt im Durchschnitt pro Person und Tag. Aber nur 0,02 Prozent davon, werden tatsächlich getrunken. Toilette, Waschmaschine und Garten brauchen jedoch kein Trinkwasser. Das meint auch Dr. Michael Fusko von der Energie- und Umweltagentur Niederösterreich: „Die WC-Spülung, die Bewässerung des Gartens und in vielen Fällen auch der Betrieb der Waschmaschine können unter Einhaltung von bestimmten Kriterien problemlos mit Regenwasser vorgenommen werden. Die Nutzung von Regenwasser stellt eine technisch ausgereifte und sichere Möglichkeit dar, unseren Wasserhaushalt zu schonen.“. Eine Regenwasser-Nutzanlage macht sich bereits nach kurzer Zeit bezahlt, denn es können 30-50% der Trinkwasserkosten eingespart werden.

  • Heizung

Wer heizt zum Beispiel mit einem Holzofen oder mittels Wärmepumpentechnologie? Gratulation, Sie heizen schon überwiegend autark. Durch Nutzung der Sonnenenergie von einer Photovoltaik-Anlage, ergibt sich ein weiterer Vorteil: die hergestellte Heizwärme wird in einem Langzeitspeicher über längere Zeit aufbewahrt. In Verbindung mit einer ebenfalls autarken Stromerzeugung ist auch für die Warmwasseraufbereitung gesorgt.

  • Stromerzeugung

Photovoltaik, Windrad, Windturbine am Dach oder eine Kombination dieser Möglichkeiten – Strom für ein autarkes Haus kann auf unterschiedlichen Wegen gewonnen werden. Die bekannteste Möglichkeit ist die Photovoltaik. Für eine komplette Unabhängigkeit vom öffentlichen Stromnetz sind Speichertechnologien nötig, damit man an sonnenlosen Tagen nicht im Dunkeln sitzt. Dies ist allerdings noch kostspielig.

 

Ein Praxisbeispiel: das Autarkieset von Wohnwagon

Für mobile Tiny Houses, Kleinhäuser und Zirkuswägen hat Wohnwagon ein eigenes Autarkie-Selbstbauset entwickelt. Im Fokus sind geschlossene Kreisläufe: „Für die Versorgung mit Strom, Wärme und Wasser arbeiten wir mit erneuerbaren Energien und natürlichen Prinzipien, beispielsweise zur Wasserreinigung und schaffen durch die Integration der Bereiche ein integriertes Gesamtkonzept. Wir legen dabei großen Wert auf einfache Reparierbarkeit und gute Verständlichkeit der Systeme.“, gibt Maximilian Mai, der Kopf hinter dem Autarkieset von Wohnwagon, Einblick in die Entwicklung.

So funktioniert es:

© Wohnwagon

Das Autarkie-Set von Wohnwagon auf einen Blick

 

 

  • Strom wird mittels Solarpanelen der Photovoltaik-Anlage erzeugt und direkt zur Verfügung gestellt. Etwaiger Überschuss wird in Batterien gespeichert. Ist es warm und sonnig, erfolgt die Warmwassererzeugung auch über den Stromkreislauf.
  • „Zentrale“ des Heizsystems ist ein Holzofen. Dieser ist mit einem Wärmeüberträger gekoppelt, der den Rauchgasen Energie entzieht. Die wird wiederum für die Warmwasseraufbereitung genutzt.
  • Regenwasser wird mittels passendem Filter in Trinkwasser umgewandelt, und in einem hochwertigen Edelstahltank aufbewahrt. Edelstahl ist rostfrei und verfälscht den Geschmack von Wasser nicht.
  • Bei den Sanitäranlagen wird das entstandene Grauwasser nicht mehr direkt in die örtliche Kanalisation geleitet, sondern durch ein Grauwasserfiltersystem gefiltert. Das gereinigte Wasser kann so direkt vor Ort versickern oder für Gartenbewässerung verwendet werden. Die Komposttoilette ermöglicht es Fest- und Flüssigstoffe getrennt voneinander zu kompostieren.

Fest steht: energieautarke System in Haus und Wohnraum – sei es nur als Unterstützung zu den üblichen Systemen -  einzubauen schont Umwelt und Geldbörse.

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