“Das Warten hat ein Ende.”

Alle Zeichen stehen gut für eine Durchführung der „Wohnen & Interieur“ im März 2021. Gleichzeitig steht das Thema Digitalisierung stark im Vordergrund. Edi Seliger, Head of Operations des Portfolios Living and Construction bei Reed Exhibitions Österreich, im Interview über Messeabsagen, digitale Angebote und die Neukonzeption der „Wohnen & Interieur“. 

Herr Seliger, wir wollen das Messer in der offenen Wunde nicht drehen, aber nach der Absage der "Wohnen & Interieur Winter Edition", wie geht es weiter mit Österreichs größter Wohn- und Einrichtungsmesse?

Seliger: Wir müssen wohl nicht mehr betonen, wie anders das Jahr 2020 verglichen zu all dem ist, was wir bisher in der Veranstaltungsbranche erlebt haben. Anders ist aber nicht gleich schlechter. Die Corona-Pandemie zwingt zu agilem Handeln und schubst Unternehmen mit einem großen Ruck weiter in Richtung Digitalisierung. Und Sieger werden diejenigen sein, die im Sturm keine Mauern, sondern Windmühlen bauen. 

Edi Seliger im Gespräch. © Reed Exhibitions

Soll das heißen eine „Wohnen & Interieur“ erhält einen digitalen Anstrich?

Seliger: Unser CEO sprach einmal von einer analog-digitalen Liaison, die das Messebusiness in Zukunft prägen wird. Dem stimme ich voll und ganz zu. Keine digitale Messe ersetzt den „Face-2-Face-Kontakt“ im Handel, doch digitale Lösungen und Angebote werden ergänzend Einsatz finden. 

Welche digitalen Angebote sind das?

Seliger: Wir sind nicht nur analog Österreichs größte Wohn- und Einrichtungsmesse, auch digital bedienen wir eine riesige Community. Mit der Plattform „Living & Construction“ werden wir zu einem Content-Hub, welcher die Messe nochmals als Treiber verstärken soll. Diese neue Plattform ist absolut zukunftsfähig, denn hier profitieren nicht nur die Besucher, sondern auch die Aussteller. 

Wie können Aussteller profitieren?

Seliger: Indem sie die Reichweite unserer Community als einen erweiterten Kommunikationskanal sehen. Wir sind die Plattform analog wie digital, die die Geschichten unserer Aussteller erzählt. 

Zurück zur „Face-2-Face“-Plattform. Wir haben gehört, dass Sie für den März-Termin an einem neuen Konzept feilen?

Seliger: Das stimmt. Wir arbeiten bereits seit zwei Jahren an der Neukonzeption der Messe. Die komprimierte Veranstaltungsdauer auf fünf Tage sowie die neue Hallenaufplanung mit klaren Themenbereichen war schon für die heurige Edition im März geplant. Der umfangreichste Bereich der insgesamt drei Hallen ist der Wohn- und Küchenbereich in Halle C. Die Designhalle D hat nach wie vor den Designschwerpunkt, erweitert durch die Unikatwelt. 

Einen weiteren Schwerpunkt bildet Handwerk und Tischler in Halle B…?

Seliger: Richtig. Zudem planen wir mehrere Sonderschauen. Zum einen wird es die Sonderschau „Best of Austrian Interior Design Award“ geben. Diese umfasst eine Auswahl der Siegerprojekte der letzten beiden Ausschreibungen des Design Awards. Die beiden weiteren Sonderschauen sind aus der aktuellen Situation entstanden. „Home Office“ betrifft fast jeden und wird uns noch länger beschäftigen. Einige Hersteller haben innovative Lösungen entwickelt, welche auf der Messe dem Besucher in Form von lebensechten „Home Office“-Situationen in der Sonderschau „Office@Home“ präsentiert werden. Auch das Thema Regionalität und Nachhaltigkeit haben wir durch Corona fokussiert und infolgedessen eine Sonderschau geplant. Mit der Sonderschau „100% Österreich“ möchten wir österreichische Produkte vor den Vorhang holen.  

Wie sieht es mit Ihrem Versprechen aus, den Anmeldeprozess für Aussteller zu vereinfachen?

Seliger: Dank der Digitalisierung können wir hier erste Ergebnisse präsentieren. Aussteller erhalten nach ihrer Anfrage umgehend ein individuell zugeschnittenes Angebot inklusive Standplatzvorschlag. Somit können beide Seiten noch besser und detaillierter planen.

Stimmt es, dass sich Reed Exhibitions auch strukturell neu aufgestellt hat?

Seliger: Ja das stimmt. Neben dem „Operations“, also jenen die eine Messe operativ abwickeln, gibt es nun ein eigenes Sales-Team, welches unsere Kunden rund um die Uhr betreut.

Wird die „Wohnen & Interieur“ ihrem Ruf, das größte Möbelhaus in Österreich zu sein, gerecht?

Seliger: Ich denke die riesige Fläche und die Vielfalt zeichnen diese Messe aus. Es werden unterschiedliche Stilrichtungen und die aktuellsten Trends und Neuheiten von den Ausstellern präsentiert, wie nirgendwo sonst. Zudem gilt die Messe als „Kick-off Event“ zum Saisonstart, denn hier werden alle Neuheiten erstmalig dem Endverbraucher präsentiert und traditionell nutzen auch sehr viele Händler die Chance sich bei uns vor Ort die Neuheiten der großen österreichischen und internationalen Marken erstmals live anzusehen und teilweise auch direkt zu ordern. Und ich möchte noch einmal erwähnen, dass wir mit unserer Content-Plattform „Living & Construction“ die perfekte Multichannel-Plattform für die Wohn- und Einrichtungsbranche sind, und das 365 Tage im Jahr. 

Digital verlängert also das Erlebnis Messe auf 365 Tage im Jahr?

Seliger: So sehen wir das, ja. Unsere Themen behalten auch nach fünf Messetagen ihre Gültigkeit. Wir sind der thematische Schmelztiegel Österreichs Wohn- und Einrichtungsbranche. Und Sahnehäubchen oben drauf: Unsere Reichweiten lassen sich für jeden Markenaufbau perfekt nutzen. 

Nach der Wiedereröffnung lief für einige Händler das Geschäft ziemlich gut. Warum sollten Aussteller dennoch im März an der „Wohnen & Interieur“ teilnehmen?

Seliger: Die Einrichtungsbranche bzw. insbesondere der Fachhandel hat die Krise dank seiner starken Stammkundschaft halbwegs gut überstanden. Doch jetzt ist es Zeit sich auf die Neukundenakquise zu konzentrieren. Das geht am besten “Face-2-Face" über den Vertriebskanal Messe. Denn wir sind die perfekte Marketingplattform, die den direkten Kontakt zwischen Händler und Neukunden herstellt.

Gibt es schon erste Zusagen?

Seliger: Wir freuen uns, dass die Firma Joka nach einer vierjährigen Pause wieder bei uns ausstellt, und dass Schösswender Möbel bereits einen vergrößerten Messeauftritt plant. Auch unser langjähriger Partner Voglauer ist wieder mit dabei, ebenso Blaha Gartenmöbel mit einer neuen Kollektion im Outdoor Bereich. 

Unsicherheitsfaktor Covid-19: Glauben Sie an viele Besucher im März?

Seliger: Wir sprechen vom Jahrzehnt des Wohnens. Verstärkt durch Covid-19 wird vermehrt in das eigene Zuhause investiert, somit haben wir die besten Voraussetzungen für eine Wohn- und Einrichtungsmesse.

Wie schaut das Sicherheitskonzept im Detail aus?

Seliger: Als Marktführer in der Messebranche verfolgen wir die höchsten Standards an Sicherheit. Wir haben ein umfassendes Hygiene- und Präventionskonzept basierend auf den aktuell gültigen Vorgaben der Österreichischen Bundesregierung und den Empfehlungen der WHO erstellt. Dieses wird situationselastisch angepasst. Wir versprechen mit Abstand die sicherste „Wohnen & Interieur“, die es je gegeben hat. Natürlich können wir nicht garantieren, dass genauso viele Besucher kommen wie in der Vergangenheit. Doch es werden sicher die richtigen Besucher mit einem Einrichtungswunsch die Messe besuchen. 

Also Qualität vor Quantität?

Seliger: Als Marktführer wissen wir genau, wie wir die richtige Zielgruppe mit hochwertigem Content und einer sensationellen Werbelinie ansprechen. Mit der Vielfalt an Ausstellern, Trends und Neuheiten sind wir gut aufgestellt, um ein echtes Erlebnis für unsere Besucher zu werden.  

 

Vielen Dank für das Gespräch!