Millionengeschäft Alarmanlagen: So sicher ist Österreich

Alarmanlagen und Co: Mit Sicherheitssystemen lässt sich gutes Geld verdienen. Für Konsumenten stellt sich die Frage: Bieten die Produkte ausreichenden Schutz? Worauf es wirklich zu achten gilt, weiß Andreas Teischl vom VSÖ.

Text und Interview von Tamara Effler, Content Management

 

450 Millionen Euro Jahresumsatz: Die Sicherheitstechnik im privaten sowie im gewerblichen Bereich ist ein großes Geschäft. Allein 100 Millionen Euro entfallen auf Alarmanlagen. Ein Drittel bis 50 Prozent der Ausgaben fließen in den Schutz von privaten Haushalten. Wie findet sich der Konsument nun im Auswahldschungel zurecht? Worauf gilt es zu achten, damit die eigenen vier Wände wirklich sicher sind? Andreas Teischl, der Generalsekretär des Verbands der Sicherheitsunternehmen Österreichs gibt die Antworten. 

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Alarmanlagen schützen vor Einbrüchen. 

Reed Exhibitions: Herr Teischl, die Auswahl an Sicherheitsprodukten ist riesig. Wie weiß der Konsument, dass das gewählte Produkt das Zuhause tatsächlich schützt?

Andreas Teischl: Das A&O ist auf eine VSÖ-Zertifizierung zu achten. Nur sie stellt sicher, dass die Alarm- bzw. Einbruchmeldeanlagen, wie es im Fachdeutsch heißt, den offiziellen Richtlinien entsprechen. Auch Montage- und Errichtungsunternehmen werden vom VSÖ zertifiziert.

Das heißt es gibt ähnlich zum Brandschutz klar definierte Richtlinien für Einbruchmeldeanlagen.  

Teischl: Exakt, die sogenannte TRVE - die Technische Richtlinie für vorbeugenden Einbruchschutz. Unter anderem sind hier die Risikoklassen Privat Standard sowie die Gewerbestandards niedrig und hoch definiert. Außerdem beschreibt sie genau, was Produkte bezüglich Funkverbindung und Einbindung in vorhandene Netzwerke einhalten müssen.

Verzeihen Sie, aber abgesehen vom höheren Sicherheitsgefühl: Lohnen sich zertifizierte Produkte?

Teischl: Definitiv. Einige große Versicherungen bieten für Eigenheime mit VSÖ-zertifizierter Alarmanlage eine vergünstige Prämiengestaltung oder die Möglichkeit einer Höherversicherung an.

Was gilt es bei der Planung eines Sicherheitssystems zu bedenken?

Teischl: Egal ob gewerbliches Objekt oder privates Einfamilienhaus: Es empfiehlt sich die Sicherheitseinrichtungen schon bei der Neuerrichtung eines Gebäudes mit zu bedenken. Dies garantiert eine optimale Installation, auch wenn die Nachrüstmöglichkeiten in diesem Bereich sehr gut sind.

Beobachten Sie eine erhöhte Nachfrage in den letzten Jahren?

Teischl: Die Nachfrage ist stabil. Der Markt wächst zwischen 4 und 5 Prozent pro Jahr. Ich rechne damit, dass dies trotz Coronakrise stabil bleibt, da viele ins Zuhause investieren.  

Was sollte Ihrer Meinung nach besser geschützt werden: das Einfamilienhaus am Land oder die Stadtwohnung?

Teischl: Beides verdient gleich guten Schutz. Die Bedrohungslagen in Stadt und Land sind unterschiedlich. In Großstädten ist die Kriminalität höher, während am Land Dämmerungseinbrüche häufiger sind. Je exponierter, einsamer die Gegend, desto größer ist die Gefahr von Einbrüchen.

Gibt es unterschiedliche Lösungen für das Einfamilienhaus oder die Stadtwohnung?

Teischl: Nein, denn die Komponenten einer Basis Alarmanlage sind immer gleich: Steuerungszentrale, Glasbruchmelder sowie Fenster- und Türkontakte. Dieses Basic-Paket kann individuell mit Bewegungsmeldern, Rauchmeldern bis hin zur Videoüberwachung nach oben erweitert werden. Montage-Experten sorgen hier für die Maßlösung.

Ist Ihr Zuhause mit einer Alarmanlage bzw. Sicherheitstür geschützt?

Teischl: Ja, mit einer Alarmanlage. Aus Erfahrung weiß ich daher, dass eine gewisse Disziplin der Bewohner erforderlich ist.

Inwiefern?

Teischl: Wie alle Geräte und Systeme, verlangt auch eine Alarmanlage die richtige Bedienung. Es sind gewisse Prozesse beim Ein- und Ausschalten einzuhalten. Das geht aber rasch in Fleisch und Blut über.

In Europa einzigartig ist die Aufschaltung der Alarmanlage zur Polizei, sprich bei Auslösen von Alarm kommt automatisch die Polizei.

Teischl: Das stimmt, dennoch ist die Aufschaltung zu einem Sicherheitsdienstleister sinnvoller. Dieser ist meist schneller vor Ort um die Lage zu prüfen. So wird ein teurer Polizei-Einsatz verhindert. 

Klingt nach einer kostspieligen Erweiterung.

Teischl: Ganz im Gegenteil. Das Zeitungsabonnement ist meistens teurer, denn die Kosten einer Aufschaltung liegen zwischen fünf und zehn Euro im Monat.

Wie viel muss ich für eine Basis-Alarmanlage inklusive Installation kalkulieren?

Teischl: In einem durchschnittlichen Einfamilienhaus bewegt man sich hier zwischen 1.500 bis 2.500 Euro.

Stichwort Hacking: Erhöht denn ein komplett vernetztes Alarmsystem tatsächlich die Sicherheit der eigenen vier Wände?

Teischl: Eine Alarmanlage mit VSÖ-Zertifizierung bietet keine Angriffsfläche. Die Richtlinie sieht generell zwei Kommunikationswege vor: eine Netzwerkanbindung und GPRS-Lösung mit SIM-Karte. Darüber hinaus sind zertifizierte Anlagen sabotageüberwacht und ein unberechtigter Eingriff daher nur schwer möglich. Hier haben „smarte“ Produkte meistens Schwächen.

Wie verhält es sich bei Alarmanlagen, die in BUS-Systemen integriert sind?

Teischl: In diesem Fall laufen die Komponenten der Alarmanlage über ein proprietäres BUS-System, wo ein Endgerät im Netzwerk hängt. Diese Alarmanlagen sind nach den gängigen Richtlinien zertifizierbar. Wesentlich ist auch hier die 2-Wege-Schiene.

Wie sehr setzen sich Ihre Mitglieder mit dem Thema Cybersicherheit auseinander?

Teischl: Es ist definitiv im Fokus. Der Anspruch unserer Mitglieder ist Sicherheit zu verkaufen. Seit kurzem haben wir zwei große Player aus dem IT Softwareentwicklungs- und Cybersicherheitsumfeld an Board. Gemeinsam mit diesen IT-Experten analysieren und überarbeiten wir gemeinsam mit den Herstellern ihre Produkte und führen Tests durch, die eventuelle Schlupflöcher zeigen. So challengen wir unsere Hersteller.

Kommt es oft zu Hacker-Angriffen?

Teischl: Es gibt hier keine Statistiken. Versuche werden oft gar nicht wahrgenommen oder angezeigt. Hacker konzentrieren sich ohnehin auf größere Ziele, beispielsweise Banken.

Weil bei Online Banking mehr Beute winkt als in einzelnen Haushalten?

Teischl: Ja. Der klassische Hacker ist IT fokussiert und will physisch nicht agieren. Der klassische Einbrecher sucht sich wiederum die Haushalte, die keine Alarmanlage haben.

Private müssen sich also nicht davor fürchten, dass die Alarmanlage gehackt wird.

Teischl: Das ist derzeit ein geringes Problem. Wir beschäftigen uns trotzdem intensiv mit dem Thema Cybersicherheit. Denn egal ob gewerbliches oder privates Objekt: Die Systeme und Komponenten sind die Gleichen und müssen die Standards der Richtlinie erfüllen.

 

Vielen Dank für das Gespräch! 

Facts: Der Verband der Sicherheitsunternehmen Österreichs

Wer?

Die Mitglieder des unabhängigen Verbandes der Sicherheitsunternehmen Österreichs, kurz VSÖ, beschäftigen sich mit Sicherheit in allen Formen. Die Mitglieder des unabhängigen Verbandes der Sicherheitsunternehmen Österreichs, kurz VSÖ, beschäftigen sich mit Sicherheit in allen Formen.

Was?

Ziel des VSÖ ist die Qualität von Sicherheits-produkten zu erhöhen. Hersteller und Inverkehr-bringer von Sicherheitsprodukten können ihre Produkte zur Zulassung beim VSÖ einreichen. Sachverständige prüfen diese Produkte. Nach Zulassung durch die Technische Kommission im VSÖ sind sie in der frei zugänglichen VSÖ-Produktdatenbank zu finden.

Wie?

Die Mitglieder erarbeiten gemeinsam Richtlinien für qualitativ hochwertige Sicherheit. Diese werden als VSÖ- oder OVE-Richtlinien veröffentlicht und sind ab Veröffentlichung der geltende Mindeststandard. Kommt es z.B. zu einem Streitfall, berufen sich Gerichte und Sachverständige auf den geltenden Mindeststandard. Das bedeutet: Diese Richtlinien sind Vorschrift!