So wohnt Österreich

Eigentum? Miete? Wohnen im oder hinter dem Speckgürtel? Was die Wiener und alle Immobilieninteressierten in der Umgebung wirklich beim Thema Wohnen beschäftigt, zeigt eine Umfrage, die im Auftrag der Wiener Immobilien Messe gemacht wurde.

Text von Peter Matzanetz, freier Redakteur

Die Zufriedenheit mit der aktuellen Wohnsituation in der Zielgruppe der Wiener Immobilien Messe (WIM) ist hoch, wie eine aktuelle Befragung ergeben hat. Trotzdem wünschen 92 Prozent Verbesserungen, zum Beispiel was Freiflächen, Zimmeranzahl, Parkmöglichkeiten oder die Nähe zu Familienangehörigen betrifft. Nur für rund ein Drittel aller Befragten ist Umzug in der absehbaren Zukunft gar kein Thema. Bei der Raiffeisen Immobilien Vermittlung (RIV), die im ersten Halbjahr ebenfalls eine Umfrage gemacht hat, ist man auf ein ganz ähnliches Ergebnis gekommen. Demnach ist trotz Zufriedenheit der Wille zum Übersiedeln besonders bei unter 30-jährigen und auch bei Städtern stark ausgeprägt.

Veränderung mit Augenmaß

Wie realistisch sich solche Wünsche darstellen, war bei der WIM-Befragung auch angesprochen. An der Wohnsituation etwas zu verbessern, betrachten die Teilnehmer als gut umsetzbar. Eine neue Wohnungseinrichtung, so die Einschätzung, wäre auch interessant und ist grundsätzlich leichter erzielbar. „Die Menschen haben nach dem Shutdown vermehrt ihre aktuelle Wohnsituation hinterfragt“, sagt Michael Pisecky, Geschäftsführer von sReal Immobilien, über den erstarkten Wunsch nach Wohnqualität.

 

Wohnungsgröße und Belegung

Der Bedarf von Wohnraum ist mit Corona jedenfalls nicht kleiner geworden. Ziemlich genau 45 Quadratmeter bewohnt jeder Österreicher laut Statistik Austria im Mittel, wobei die Wiener sich mit 36 begnügen. In Wien sind die Wohnungen im Vergleich kleiner. Gegenüber komfortablen hundert für gesamt Österreich nimmt sich der Durchschnitt in Wien mit 73,7 Quadratmetern fast bescheiden aus. Bei der Belegung gleicht sich das wieder etwas aus, denn in Wien teilen sich nur 2 Personen eine Wohnung. In Niederösterreich zum Vergleich wohnen darin im Schnitt 2,3 Personen.

 

 

 

© NID
  Objekt „Bellevue Wilhelminenberg“ in der Steinmüllergasse

Beim neuen Wohnideal ist die Stadt etwas auf Distanz, wie hier am Wilhelminenberg.

3,95 Millionen Wohneinheiten als Hauptwohnsitz

Hierzulande werden 3,95 Millionen Wohneinheiten als Hauptwohnsitz genutzt. Fast exakt die Hälfte davon ist im Eigentum, wobei das zu gut zwei Drittel Einfamilienhäuser betrifft. Hausbesitzer gaben bei der WIM-Befragung zu 60 Prozent an, dass sie die aktuelle Wohnform wieder wählen würden. Immerhin 45 Prozent können aber auch der Idee von der Eigentumswohnung etwas abgewinnen. Umgekehrt sind jene mit Wohnungseigentum zwar zufrieden mit der Wohnform, liebäugeln aber mit dem eigenen Haus.

67 Prozent wollen Eigentum statt Miete

Von all jenen die in Mietverhältnissen wohnen, würden 67 Prozent eine Wohnung im Eigentum vorziehen. Das Anstreben von Wohnungseigentum ist laut einer Umfrage von sReal auch ein eigener Umzugsgrund geworden, um irgendwann belastende Fixkosten hinter sich lassen zu können. Die gleiche Quelle besagt, dass von hundert Wohnungsuchenden heutzutage nicht weniger als 73 Eigentum anstreben. Geleitet sei man dabei meist vom Sicherheitsgedanken, selten derzeit von möglichen Wertsteigerungen.

Was hinter dem Speckgürtel passiert

Eine Million Wohnungen könnten nach einer Hochrechnung der RIV in den kommenden fünf Jahren ihre Besitzer wechseln. „Für die zweite Reihe hinter dem Speckgürtel ist das eine Möglichkeit, sich weiter zu entwickeln“, sagt RIV-Geschäftsführer Peter Weinberger. Da wäre es noch günstig, wobei die Lagegunst hier wegen mäßiger Infrastruktur einschränke. Dass es schwierig ist, in einer guten Lage günstigen Wohnraum zu finden, das finden auch die Teilnehmer der WIM-Umfrage. Den vollen Angebots-Überblick wollen sie sich aber auf der WIM holen.

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