Grüner Wohntrend: Was war der Auslöser?

Wohnungen mit Balkon, Terrasse oder mit Garten haben, was viele Suchende wollen. Doch warum sind Freiflächen heutzutage so begehrt?

Text von Peter Matzanetz, freier Redakteur

 

Für die, die das nicht haben, macht eine neue Wohnung nichts attraktiver als ein Balkon oder eine Terrasse. Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die von der Wiener Immobilien Messe (WIM) in Auftrag gegeben wurde. Für die meisten ist das erklärte Ziel vom Freiflächengewinn auch ein umsetzbares. Angelehnt ans Schulnotensystem empfinden das die Befragten als gut möglich.

Der Trend-Auslöser

Das „Austria Corona Panel Project“ hat die Lage der Nation in der heiklen Shutdown-Phase ebenfalls per Umfrage beforscht. Der vertiefte Blick zeigt dort, je kleiner die Wohnung desto weniger trifft man auf Freiflächen. Ab einer Wohnfläche von 110 Quadratmetern ist dafür praktisch immer ein Außenbereich dabei. Bei EHL Immobilien geht Sandra Bauernfeind von einem nachhaltigen Bedeutungsgewinn des Themas als Folge des Corona-Shutdown aus: „Der Wohnwert von Balkonen und Terrassen ist nach wochenlanger Zeit zu Hause noch offensichtlicher geworden.“

 

© NID
Objekt Josef-Heinzl-Gasse in 1130 Wien
Recht viel mehr Grün ist in der Stadt kaum vorstellbar. 

Nur jeder Vierte hat keine Freifläche

Dass eine Wohnung mit Balkon mittlerweile eigentlich schon die Regel geworden ist, zeigt ein Blick auf die Zahlen der Statistik Austria. Demnach beträgt der Anteil von Wohnungen mit Terrasse, Balkon, Loggia oder Wintergarten österreichweit 74 Prozent. Also verfügt grob betrachtet nur jeder Vierte heute beim Wohnraum über keine private Freifläche. Dass eine solche bei der Großstadtwohnung trotzdem nicht selbstverständlich ist, zeigt das Beispiel Wien. Hier geht maximal jeder Zweite mit den Hausschlapfen ins Freie. Mit Gartenanschluss ist man hier überhaupt nur zu sechs Prozent versorgt, wobei für Niederösterreich mit 17 Prozent sich das bei Hauptwohnsitzwohnungen nicht gänzlich anders verhält.

Bauträger planen hochwertige Grünbereiche

In aller Regel bemühen Wohnbauträger die Architekten um möglichst alle Wohnungen mit Freiflächen in den Verkauf zu bekommen. Beim niederösterreichischen Wohnbauträger NOE Immobilien Development (NID) wurde der Trend früh erkannt und dort wird das Thema bei derzeitigen Planungen noch mehr in den Mittelpunkt gerückt. Geschäftsführer Michael Neubauer erklärt: „Wir machen die Projekte dahingehend fit und planen hochwertige Grünbereiche mit ein.“ Der Produzent von Eigentumswohnungen im mittleren Preissegment hat Projekte in den Wiener Randbezirken, im Wiener Umland, in Bezirkshauptstädten und in St. Pölten im Angebot.

50 Quadratmeter Garten ist Standard

Vom Garten sei weniger mehr, denn der müsse auch gepflegt werden. Das wiederum hätten Siedler gar nicht so im Sinn. „Die meisten haben keine Zeit, sich dem Garten groß zu widmen und sie wollen den lieber genießen“, weiß Neubauer aus Erfahrung. Im Übrigen könne auch eine gut geplante Loggia bereits jene Bedürfnisse befriedigen. Fünfzig Quadratmeter fürs „Garteln“ sei ein Standard der Familienbedürfnisse decken würde. Wer andererseits ein paar hundert Quadratmeter Garten möchte, würde sich eher nach einem Haus umsehen.

Living Walls als neuer Trendsetter

Fehlende, private Freiflächen werden in den Städten durch Parks und andere Grünflächen kompensiert. Für Wien zum Beispiel verweisen die Corona-Forscher auf einen nicht verbauten Flächenanteil von 72 Prozent und legen nahe, Alternativen vor der Türe auch zu nutzen. An nützlicher grüner Infrastruktur gäbe es Wälder, Wiesen, Parks, Spielplätze, Grüns, Innenhöfe, Sportplätze und Gemeinschaftsgärten. 4,6 Prozent der Befragten haben leider auch davon nichts in der Umgebung. All jene haben vermutlich einen Wechsel in eine Umgebung mit mehr Grün im Sinn. Doch es kann auch der Innenbereich des Wohnraums grüner gestaltet werden. Mooswände bis über Living Walls sind die neuesten Trendsetter – und können auch ganz einfach als DIY nachgemacht werden.

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